Der schwelgende Genius

Es muss etwas im Wasser sein, in Wien und auch in Salzburg. Jedenfalls ist es Klaus Maria Brandauer ein Vergnügen, lesend, deklamierend und stellenweise auch sympathisierend dem jungen und im Wirbel der Hormone taumelnden Mozart mit dessen Briefen durch das bewegte Leben als wild kreativer Künstler, Bittsteller an den Höfen nicht zwangsläufig kunstafiner Regionalpotentaten oder des auch mit Verlockungen hübscher Verehrerinnen ringenden Schelms zu folgen. Man lernt vor allem, dass Mozart auch mit Worten jubilierte, mit Bedeutungen spielte und beim Schreiben den im Kern experimentellen Geist seiner Musik nicht nur fortführte, sondern sogar noch überspitzte. Es ging ja um nichts als sein Vergnügen, die Gunst der Adressat:innen und ein wenig um die Stressableitung in der Verbaljonglage, wo er doch sonst in ein zuweilen trostloses System des Antichambrierens eingezwängt war.

Brandauer also interpretierte im Saal des Sudentendeutschenhauses mit Chuzpe „Bäsle“-Briefe, Korrespondenzen mit dem Vater und auch die eine oder andere verhaltene Passage, wenn es etwa um den Tod von Mozarts Mutter ging. Elias Keller wiederum, der für den amerikanischen Kollege Clayton Stephenson als Pianist eingesprungen war, setzte einige überwiegend frühe Werke des Komponisten bis hin zum „alla turca“ als Kontrast dagegen. Auch er hatte seine Freude an der Musik, kompakt gespielt, stellenweise fast schon distanziert, dann wieder mit dem Charme des Juvenilen. Es war ein ungewöhnliches Paar, das sich an diesem Sonntagnachmittag auf die kulturelle Reise begab. Aber es zeigte, dass es sich lohnt, einen Komponisten wie Mozart von vielen Seiten zu fassen. Denn da gibt es viel zu entdecken und manchmal auch etwas zu schmunzeln.

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