Epilog: Erfolg und Fortsetzung

Ein Beispiel aus der Süddeutschen Zeitung. Dort schrieb Harald Eggebrecht, der Doyen der Klassikkritik, am 11.Mai 2018 über ein Konzert von Stars And Rising Stars in der Reithalle: „Am Schluss dieses begeisternden Konzerts in der Reithalle spielten die vier Musiker – Clara Shen, 12, Ziyu He, 19, beide Violine, Niu Niu, 20, Klavier, und der auch noch junge Mentor des Abends, der Cellist Danjulo Ishizaka, 38 – Sergei Rachmaninows „Vocalise“ so bezaubernd, kitschfrei und in kammermusikalischem Geist, dass nur Staunen blieb über so viel spontane Musikalität, so viel Lust an instrumentalem Glanz, so viel Sinn für das symphonische Miteinander. Dabei zeigten alle, welche enormen solistischen Fähigkeiten in ihnen stecken“.  Nur ein Beispiel, wie gesagt. Es gab viel Lob für das Festival, aus berufenem Munde, wie auch von Seiten begeisterter Zuhörer, die so etwas in dieser Form noch nicht erlebt hatten.

Denn Stars And Rising Stars geht neue Wege. Es sucht sich ungewöhnliche Räume für die Musik, spricht ein sich veränderndes, junges Publikum an, mit einem Programm von internationalem Format. Rund 3.000 Zuhörer waren in diesem Jahr dabei, und es können noch mehr werden, wenn das Festival im Mai 2019 in die nächste Runde geht. „Es gab wunderbare musikalische Momente und Begegnungen während des Festivals, häufig tosenden Applaus und mehrfach Standing Ovations. Jeder Abend war einzigartig,“ meint Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger, die als Master Mind hinter den Veranstaltungen steht. Die nächsten Stars und Talente hat sie bereits in ihrem Portfolio. Und den Termin für die Fortsetzung ebenfalls. Denn das nächste Stars And Rising Stars wird vom 24.Mai bis zum 2.Juni 2019 über die Bühnen gehen. Überraschungen inklusive. We’ll keep you informed! Über alles, was kommt und wissenswert ist, hier bei sars.blog!

 

Tag 11: Finale, furios

Zum Ende des Festivals noch eine fulminante Mischung: Wort und Musik, Lyrisches und Vehementes, Feingliedriges und wild Expressives. Denn auf der einen Seite hatte Udo Wachtveitl, bei anderer Gelegenheit Schauspieler und Tatort-Kommissar, sein Lesepult auf der Bühne der Freiheizhalle und präsentierte unter anderem Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart oder auch eine Erzählung von E.T.A Hoffmann, die mit dem Charme der schwarzen Romantik den ‚Don Giovanni‘ mit ein wenig Grusel umgab. Ein wunderbarer Rezitator, nicht zu viel Emphase, aber dennoch Wärme im Vortrag, eine gelassene Mixur der Dramaturgie. Das wiederum bot einen idealen Rahmen für Tassilo Probst, der zusammen mit Maria Stadnik und Isabella Xiu Waxmanns ‚Carmen-Fantasie‘, ein wenig Kreisler und Ysaye nach dem Nachtkonzert im Harry Klein nun auch auf der großen Bühne mit viel Rafinesse präsentieren konnte.

Nach der Pause wurde dann noch einmal nachgelegt. Denn im Unterschied zu den dynamisch moderaten Tönen von Geige und Klavier, gingen Vivi Vassileva und Christan Felix Benning akustisch in die Vollen. Beide sind Schlagzeuger und beide agieren auf einem immens hohen Niveau der Trommelkunst, einschließlich der Ausflüge in die Marimbawelt, wo die eine ein bulgarisches Volkslied in komplexer Weise bearbeitete, der anderen Albeniz‘ ‚Asturias‘ für das Instrument adaptierte. Dazu ein bisschen Xenakis, vor allem aber ein furioses Finale auf zwei Schlagzeugen, das man in dieser Wucht und Präsenz so selten zu hören bekommt. Das war der umjubelter Abschluss eines Festivals, das innerhalb von wenigen Tagen ein außergewöhnliches und zukunftsweisende Programm nach München gebracht hat. Lediglich der erkrankte Pianist Neil Tarabulsi konnte es am letzten Abend nicht genießen. Aber es soll ja weitergehen, im kommenden Mai mit Stars And Rising Stars 2019.

Tag 10: Wagners Beethoven

Für die Romantik war klar: Der Held heißt Beethoven. Denn in ihm vereint sich die Idee des genialisch aus sich selbst herausschaffenden Originalgenies, das das Kunstwerk bereits in seinem Kopf – im Fall des alten Komponisten, ohne es überhaupt noch hören zu können –  wachsen lassen kann, mit ein wenig Tragik, schrulliger Originalität und rätselhaftem Weltverstehen. Richard Wagner jedenfalls war begeistert. Beethoven war für ihn die ideale Folie für seine eigenen Vorstellungen der romantischen Musikwelt, die er als literarisch begabter Komponist 1840 in eine autobiographisch getönte, aber fiktionale Erzählung packte, die seinen Zeitgenossen beeindruckte. „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“ wurde ein Art Manifest im Plauderton, das kräftig zur Mythenbildung rund um den großen Klassiker beitrug.

Für Klaus Maria Brandauer wiederum ist es eine herrlich verschrobene Vorlage, um seine Kunst als Rezitator mit schauspielerischen Einsprengseln auszubreiten – ein Vergnügen, ihm beim Entwickeln der Charaktere zuzuhören, wie er den blasierten Engländer als Gegenspieler Wagners herausarbeitet oder auch den alten Beethoven selbst mit Aura umgibt. Der Pianist Filippo Gorini fügt dieser Lesung im Münchner Literaturhaus eine weitere Dimension hinzu, als Intarsien des Textes, den er mit ‚Bagatellen‘ am Steinway ergänzt, vor allem aber durch eine subtil vielschichtige Interpretation der letzten Sonate op.111, die er im Anschluss an die ‚Pilgerreise‘ präsentiert. Nicht umsonst gilt der junge Mailänder bereits zu den führenden Beethoven-Interpreten seiner Generation. Im Gespann mit Klaus Maria Brandauer war seine spielerische Opulenz ein Gedicht.

Tag 9: Abend der Kontraste

Die Unterschiede hätten größer kaum sein können. Zunächst lud der französische Pianist David Fray in das Künstlerhaus am Lenbachplatz, einen Traditionsbau in der Münchner Innenstadt, der seit seinem Wiederaufbau 1960 im Neo-Renaissance-Stil des Originalentwurfs von Gabriel von Seidl diverse Konzert und Theaterereignisse erlebt hat. Mozart, Chopin, Schumann, Schubert standen auf dem Programm, klassisch-romantisches Repertoire, das nur durch ein wunderbar energisches Penderecki-Intermezzo des Cellisten Maciej Kulakowski in seiner harmonischen Anmutung kurzzeitig unterbrochen wurde. Mit dem 13-jährigen Maximilian Haberstock kam einer der jüngsten Musiker des Festivals auf die Bühne, um Chopins Klangwelt in Erinnerung zu rufen. Und mit Fatma Said präsentierte sich eine Sopranistin, deren Natürlichkeit, stimmliche Klarheit und hinreißende Perfektion das Publikum nur so dahinschmelzen ließ.

Dann ein paar Meter weiter in der Sonnenstraße das Harry Klein, ein für Experimente offener Techno-Club mit Szene-Meriten, an dessen DJ-Pult ein Klavier gefahren wurde, wo Maria Stadnik Platz nahm, um neben einem solistischen Chopin-Nocturne vor allem den Münchner Geiger Tassilo Probst zu begleiten. Auch er ist ein aufsteigender und noch sehr junger Star am Konzerthimmel, der mit viel Nachdruck und Virtuosität sich Stücke von Kreisler, Ysaye und Franz Waxmann widmete. Der ungewohnte Rahmen, akustisch trocken, aber nicht irritierend, mit kleinen psychedelischen Video-Details im HIntergrund passte dabei erstaunlich gut mit dem kammermusikalischen Kosmos zusammen. Wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, wie inspirierend die Kombination von Tradition und Szene funktionieren, dann können Orte wie das Harry Klein gerade die Wahrnehmung von musikalischen Kleinformen verändern. Künstlerhaus und Techno-Club – das Festival wagt etwas und das ist gut so.

Tag 8: Saitenmagie

Es ist verblüffend, wie weit junge Menschen es bringen können, wenn sich Talent mit Ehrgeiz, Kondition und Leidenschaft verbindet. Die Geigerin Clara Shen zum Beispiel ist 12 Jahre alt und spielt Paganini und Wieniawski mit einer fröhlich-schüchternen Sebstverständlichkeit, als hätte sie die Kompositionen eben erst selbst erdacht. Ziyu He hat gerade mal seinen 18.Geburtstag hinter sich und macht sich mit einer derart wilden Wucht Variationen ebenfalls von Paganini zueigen, dass das Publikum in der Reithalle nur noch staunen kann. Und der Pianist Niu Niu agiert mit einer Nonchalance am großen Steinway, dass man sich in der Pause noch über Details der Pedaltechnik streiten kann, nicht aber darüber, ob der Zwanzigjährige demnächst in den großen Hallen unterwegs sein wird.

So kann sich der Cellist Danjulo Ishizaka als bereits im Konzertgefüge etablierter Gastgeber des Abends den Luxus gönnen, sich für Schumann, Franck oder Mendelssohn zu den Rising Stars zu gesellen, um auf Augenhöhe und mit viel Begeisterung zu musizieren. Am Ende schließlich finden alle vier Beteiligten zusammen, um mit einer Bearbeitung von Rachmaninoffs ‚Vokalise‘ die Menschen in die Nacht zu entlassen. So mancher wird im Anschluss daran noch eine Weile weiter gestaunt haben, wegen der jungen, beeindruckenden Künstler, aber auch über das Konzept eines Festivals, das sich andere Räume als üblich sucht und es damit schafft, der Musik eine veränderte Aura zu geben. Denn ein Ort wie die Reithalle, wo im Anschluss an Stars And Rising Stars in wenigen Tagen ein Tanzfestival stattfinden wird, atmet die Luft des Experiments. Und das tut auch der Kammermusik gut, die trotz historischer Herkunft auf diese Weise sehr gegenwärtig klingt.

Tag 6: Stimmen im Fokus

Eine Hausnummer weiter sitzen Menschen in einer Cocktailbar und blinzeln in die Sonne. Der Wind pfeift zwar kühl um das Freiheiz, aber der Wille ist bei so manchem ungebrochen, den frühen Sommer zu genießen. Und er übersieht dabei womöglich, dass nebenan in der stimmungsvollen Backsteinhalle große Stimmen von Mozart über Rossini bis Lehar und Verdi führen. Dabei hat die nächste Runde von Stars And Rising Stars vieles zu bieten, Liebe und Verzweiflung, Witz und Hingabe, feine Details und große Gesten. Denn der Gastgeber des Abends, der Hambunger Tenor Daniel Behle, und die um die Geigerin Sara Domjanic ergänzten jungen Stimmen von Ludmilla Bauerfeldt und Jinxing Tan bieten ein weites Spektrum der Stile und Stimmungen, in das man sich genussvoll akustisch zurücklehnen kann.

Tatsächlich erweist sich dabei das Freiheiz einmal mehr als angenehmer Raum für unverstärkte, leise und subtil agierende Musik. Jede kleine Regung auf der Bühne ist zu hören, jedes Detail findet nachvollziehbar seinen Platz im musikalischen Zusammenhang, vom sanften und fragilen Mozart’schen ‚Veilchen‘ bis zu den kraftvollen leidenschaftlichen Arien des ‚Don Giovanni‘. Das Team auf der Bühne fühlt sich wohl, die Stimmung setzt sich fort im Publikum, das die Arien und Duette umjubelt und beschwingt den Sommerabend ausklingen lassen kann. Die echte Sonne mag inzwischen am Firmament verschwunden sein, das Licht der Musik leuchtet weiter.

Tag 5: Klaviermarathon

Frage eins ist die nach dem Können. Da sind junge Musiker inzwischen so weit, dass man sich kaum noch darum sorgen muss, dass ihnen die spieltechnischen Fähigkeiten und Fertigkeiten fehlen könnten. Frage zwei ist die nach dem Repertoire und da haben die amerikanischen Gäste des Klaviermarathons im Rahmen von Stars And Rising Stars eine spannende Wahl getroffen. Clayton Stephenson etwa schmetterte mit immenser Wucht den Mephistowalzer von Franz Liszt in den Flügel der Reithalle und überließ das Publikum der durchaus kantigen und vielschichtigen Bearbeitung von Strawinskis „Feuervogel“ mit dem Lächeln eines Souveräns. Maxim Lando widmete sich zwei Sätzen der zweiten Klaviersonate von Rachmaninoff ebenfalls mit dem Nachdruck eines Sinnsuchers, der sich um die Reibungsflächen des Ausdrucks sorgt.

Demgegenüber wirkte Amadeus Wiesensee mit seiner Interpretation von Schumanns C-Dur-Fantasie musikalisch ebenso brillant, aber an einigen Stellen deutlich fragiler. Das wurde auch inhaltlich unterstrichen durch den musikalischen Gastgeber des Abends, den Geiger Marc Bouchkov, der dem Romantiker die sechste Violinsonate von Ysaye vorangestellt hatte, ein Werk mit sehr futuristischen Passagen. Maximilian Haberstocks Schubert-Impromptu und Filippo Gorinis Beethovensonate Nr.31 waren wiederum ausgefeilte Darbietungen, im Kontrast zu den Komponisten des 20.Jahrhunderts und ihren jungen Pionieren ihrerseits mit Effekten zurückhaltender. Unterm Strich aber machten alle Stücke Sinn und fügten sich zu einem runden Programm zusammen. Denn ein Strawinski ist Genuß für die Conaisseure, mit Schubert und Schumann erreicht man hingegen die jungen Hörer im Publikum, die sich trotz Montag auf den Weg gemacht hatten, um drei Stunden lang zu erleben, was am Klavier alles möglich ist.

Tag 4: Kasarova, Loza, Shan

Das Odeon hat lange niemand mehr gesehen, der nicht mit dem Bayerischen Innenministerium zu tun hat. Denn der zwischen 1826 und 1828 von Leo von Klenze erbaute Saal, der dem angrenzenden Odeonsplatz seinen Namen gab, wurde nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion als Konzertsaal genutzt. Der Raum war im zweiten Weltkrieg zerstört, danach wieder aufgebaut worden, blieb aber fortan ein zwar imposanter, aber musikalisch verwaister Innenhof des Ministeriums. Für das Festival ‚Stars And Rising Stars‘ jedoch öffnete er zum ersten Mal wieder seine Pforten für das Kulturpublikum und empfing eine illustre Schar an Prominenten und Klassikliebhabern. Sogar der Minister und Hausherr selbst, Joachim Herrmann, ließ es sich nicht nehmen, ein paar Grußworte zu sprechen und im Anschluss daran – trotz anfangs hörbarer akustischer Konkurrenz durch das Streetlife Festival auf der Ludwigstraße – ein Programm zu genießen, das geschmackvoll vom Barock zum Belcanto leitete.

Einziges echtes Manko des Abends: die Mezzosopranistin Natalia Kutateladze war erkrankt, einige Stationen der Klangreise von Salzburg nach Italien mussten daher übersprungen werden. Ansonsten gab es viel Melodisches und Theatralisches von Händel bis Rossini zu erleben. Das Ensemble 1756 Salzburg unter der Leitung von Konstantin Hiller schuf einen historisch möglichst klangangemessenen Rahmen, der Tenor Huang Shan wirkte manchmal ein wenig hölzern, der Bass José Coca Loza dafür umso kecker. Die bulgarische Mezzo-Meisterin Vesselina Kasarova sang eine hinreißend feingliedrige Almirena-Arie aus Händels ‚Rinaldo‘ und ließ sich ebenso zu einem schnippisch burschikosen Duett mit Loza aus Rossinis ‚L’Italiana in Algeri‘ hinreißen. Ein eleganter, umjubelter Konzert-Neustart im Odeon. Wer weiß, vielleicht folgt dort ja noch andere Musik in den nächsten Monaten und Jahren.

Das Festival jedenfalls macht weiter, heute Abend mit dem Klaviermarathon ab 19 Uhr in der Reithalle (Heßstraße 132).

Tag 2: Hornung, Lakatos, Stephenson

Man solle nicht denken, er sei der Star, meint Maximilian Hornung in einer kurzen Ansage zur Einleitung des Abends. Ganz im Gegenteil, er fühle sich geehrt, mit derart herausragenden Musikern konzertierten zu dürfen. Damit meint der Cellist, der in München immerhin die entsprechende Professur an der Hochschule für Musik und Theater innehat, den Geiger Robert Lakatos und den Pianisten Clayton Stephenson. Das hätte eine Floskel der Höflichkeit sein können, aber während des Konzerts in der Reithalle bekommt man schnell einen Eindruck davon, dass Hornung dieses Statement nicht nur ernst gemeint, sondern darüber hinaus eine Menge Spaß daran hat, mit den Rising Stars ein bunt gemischtes Programm kammermusikalischer Pretiosen zu durchlaufen.

So trifft Schostakowitsch auf Debussy, Liszt auf Gliere und Beethoven. Modernes ist mit „Words In A Silent Place“ von Antoni Parera Fons und „Give Me Phoenix Wings To Fly“ von Kelly-Marie Murphy dabei, das bei dieser Gelegenheit seine Erstaufführung vor Münchner Publikum erfährt. Die beiden Pfeiler des Programms sind jedoch das erste Klaviertrio von Dmiti Schostakowitsch, das mit juveniler Chuzpe das Pathos des jungen Komponisten inszeniert, und das Geistertrio von Ludwig van Beethoven, dessen Gegensatz von sinistrer Seelenlage und kathartischem Überschwang von den Künstlern mit behutsamem Nachdruck herausgearbeitet wird. Das war großes Kammermusikkino im loftartig wirkenden Ambiente der ansonsten freigeräumten Reithalle, auch das ein Kontrast, der der Konzentration auf das Wesentliche durch die Rücknahme des formalen Drumherums entgegenkam.

Auftakt: Hope, Ionita, Lando

Die Bayern würden sagen: ein schmales Hemd! Wuschelkopf, schüchternes Lächeln, aber Maxim Lando hat mühelos die Sympathien auf seiner Seite. „Mir g’fällt der Bub so gut,“ meint eine der Damen im Publikum der Freiheizhalle, und tatsächlich kann der 15-jährige Pianist aus Long Island durchaus beeindrucken. Wenn er ausholt, dann entwickelt der Steinway Pathos und Volumen, das man zuvor kaum vermutet hat. Und mit der gleichen Noblesse, mit der er verlegen lächelnd mal dezent, mal eloquent in Beethovens ‚Kakadu-Variationen‘ agiert, greift er als Duo-Partner von Daniel Hope bei César Franks ‚Sonate für Violine und Klavier A-Dur‘ dynamisch mächtig und zugleich präzise in der Nuancierung in die Tasten. Eine Wucht, der Bub, der am kommenden Montag noch einmal im Rahmen des Klaviermarathons von ‚Stars And Rising Stars‘ zu hören sein wird.

So wie überhaupt der ganze Abend vom Charme eines harmonierenden Teams geprägt wurde. Hope, der Meister, ließ sich in die musizierende Gemeinsamkeit fallen, brillant nicht nur bei Franck, sondern auch beim melodisch ausschweifenden ersten Klaviertrio von Mendelssohn-Bartholdy, immer gewiss, dass er mit Lando und dem vor allem in der zweiten Konzerthälfte mit volltönendem Nachdruck agierenden Cellisten Andrej Ionita zwei Musiker an seiner Seite hat, die dort nicht ohne künstlerischem Grund gelandet sind. So startet die zweite Ausgabe des Festivals mit einem umjubelten Auftakt in eine turbulente Woche, die bis zum 13.Mai reichlich faszinierende Musik an ungewohnten Orten präsentieren wird.