Forderungen und Gefühle

Kein leichtes Stück, die »Sonate für Violine und Violoncello a-moll«, die Maurice Ravel 1922 komponiert hat. Sie biedert sich nicht an, sondern arbeitet sich mit Tendenz zur Abstraktion an volksmusikalischen Motiven entlang. Für die Interpreten heißt das, die Balance zwischen dem tändelnden Spiel an der Oberfläche und dem sich an vielen Stellen manifestierenden Intellekt des Komponisten zu halten, der sich nicht den Hörgewohnheiten seines Publikums fügen wollte. Dementsprechend empörten sich die zeitgenössischen Kritiker, was sich aber zum Glück mit einem knappen Jahrhundert Abstand anders darstellt.

Denn wenn die Geigerin Arabella Steinbacher und der Cellist Yuga Okamoto heute das Stück ins Programm nehmen, dann ist es vor allem ein Vergnügen, den beiden beim Jonglieren mit den Interpretationsebenen zuzuhören. Überhaupt erlebte die Freiheizhalle beim zweiten Konzert von Stars And Rising Stars 2019 ein raffiniert durchgestaltetes Programm, das von Mozarts Leichtigkeit über Ravels Reflexionen und Schumanns Melancholie bis hin zu Beethovens Klarheit und Brahms’ Leidenschaft führte. Steinbacher, Okamoto und der Pianist Amadeus Wiesensee wirkten dabei wie ein schon lange harmonierendes Team auf Augenhöhe, eben so, wie das Festival sich die Kombination der großen Persönlichkeiten und neuen Namen erhofft.

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