Amadeus, der andere

Die Musikwelt hat sich erst daran gewöhnen müssen, in Mozart auch einen Menschen zu sehen. Denn im Angesicht des übergroßen Künstlermythos’ verschwindet die reale Person schnell im Schatten der romantischen Stilisierungen. Der Mozart jenseits der Partituren aber pubertierte und räsonierte, litt unter und stritt mit seinem Vater, profitierte von dessen Strenge und Talent zum höfischen Netzwerken ebenso wie von der Unbedingtheit, mit der seine Mutter die Begabungen des Filius zugleich bewunderte wie relativierte. Es gab Phasen, wo dem Wunderkind das Zirkusdasein seiner Existenz in den Manegen adeliger Geldgeber aufstießt, aber auch Momente, wo er die Verehrung genoss, die ihm vor allem von den niederen und höheren Töchtern seiner Umgebung entgegengebracht wurde. Und da Mozart ein eloquenter Briefeschreiber war, der mit Worten mitunter ähnlich radikal den Regelbruch zelebrieren konnten wie mit Tönen, ist so manche amüsante, geistreiche und auch pikante Wendung überliefert, die den Genius nahbar macht.

Und das wiederum bietet sich an, um daraus ein Programm zu destillieren, das Musik und Alltag des Künstlers auf der Bühne kombiniert. Klaus Maria Brandauer macht sich einen Spaß daraus, aus der Menge die Möglichkeiten ein paar besonders pfiffige auszuwählen, zu einer losen Chronologie zu kombinieren und mit schauspielerischer Opulenz vorzutragen. Amadeus Wiesensee wiederum kontrastiert am Steinway die rasanten Worte mal mit der Heiterkeit der „Sonate Nr.11 K.311“ oder auch mit der sinistren Dichte musikalischer Unkonventionalität, wenn er etwa das „Presto“ aus der „Sonate Nr. 8 K.310“ auf die hilflos bewegte Schilderung des Todes seiner Mutter folgen lässt. Beide Interpreten sprühen vor Enthusiasmus, in der Summe verbindet sich diese Stimmung zu einem inspiriert hinreißenden Abend, der im Künstlerhaus in ein paralleles Universum des Hörerlebens führt.

2 Kommentare zu „Amadeus, der andere

  1. Dies muss, wie uns Freunde aus München berichteten, ein zu tiefst beeindruckender Abend gewesen sein. Es ist nur sehr schade, dass keine Fotos von Star „und“ Rising Star zu sehen sind.

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    1. Guten Abend,

      der junge Mann war zu sehen im Headerbild, das regelmäßig ausgetauscht wird. Mal schauen, vielleicht wechseln wir auf Dauer auch den Meister Brandauer noch einmal aus. Beide auf einem Artikel-Foto sind ein wenig kleinteilig, was im Mobile-Format nicht ideal wirkt …

      Beste Grüße, Ralf D

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