Orchester im Aufwind

„Es grenzt an ein Wunder“, meint Anna Handler, Dirigentin des Enigma Classica Ensembles, „dass wir hier heute spielen. Das ist dem Mut einer Frau zu verdanken, Kari Kahl-Wolfsjäger.“ Und ihrer Ausdauer. Denn in Zeiten pandemischer Gesundheitsvorsorge ist es ungleich komplizierter, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, die Publikum und Künstler nicht nur an Bildschirmen, sondern auch an echten Spielorten versammeln. Das Festival, seine Leiterin, sein unermüdlich aktives Team, aber auch zahlreiche engagierte lokale Bühnen mit ihren Mitarbeitern halten mit dem, was möglich ist, die Fahne hoch. Das Publikum wiederum arrangiert sich mit ausführlichen Einlassformalitäten, großzügig verteilten Sitzplätzen, Lüftungspausen, ja sogar der fehlenden Plaudergastronomie in gestrichenen Pausen, um in den Genuss der Besonderheiten zu kommen, die ein tatsächliches Konzert im Vergleich zu seiner virtuellen Transformation bietet. Und um die Rising Stars live zu erleben, die womöglich in den kommenden Jahren den Sprung auf die internationalen Podeste schaffen.

In der Reithalle ist es diesmal das Ensemble Enigma Classica unter der emphatischen Leitung der Dirigentin und Cembalistin Anna Handler, das sich als vielfarbiges Kammerorchester empfiehlt. Ob Bach oder Stravinsky, Tschaikowski oder Rossini, ob für sich oder mit Solist, das Gespann aus souverän energetischer Leitung und kraftvoll differenzierter Umsetzung passt punktgenau zu den Bedürfnissen von Repertoire und dessen Interpret*innen. Im Fall des Pianisten Can Çakmur wirkt das Orchester schwelgend konzentriert, um dessen pathetisch sich aufbäumenden Tschaikowski zu begleiten. Bei dem Klarinettisten Giuseppe Paci stellt es sich auf dessen verspielt tändelnden Rossini ein, der mit perlender Geläufigkeit das Sangbare des Instruments feiert. Für den Star des Abends, die Geigerin Arabella Steinbacher schließlich, lassen sich Handler und Enigma Classica auf einen Mozart ein, in dessen Leichtigkeit des Vordergrunds latent die Opulenz des Genialischen mitschwingt. Es grenzt an ein Wunder, dass alle an diesem Abend spielen dürfen. Und es ist eine Freude

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