Heimspiel

Das Orchester passte nicht mehr auf die Bühne. Deshalb mussten einige Celli und ein paar Geigen ebenso wie die Solisten ebenerdig Platz nehmen, während ein großer Teil des Ensembles des Sinfonieorchesters der Sing- und Musikschule München auf dem Podium platziert wurde. Die Künstler nahmen die ein klein wenig verkehrte Welt mit fröhlicher Gelassenheit und präsentierten sich auch auf gleicher Ebene mit dem Publikum als Team der Virtuosen, das mit viel Chuzpe sich einem barocken bis romantischen Repertoire widmete. Denn bei diesem Konzert des Festival in der Alten Rotation im Pressehaus in der Bayerstraße standen die Rising Stars im Mittelpunkt.

Zum Beispiel Tiffany Poon. Die in Hongkong geborene Pianistin und aktive YouTuberin stellte sich mit zwei Stücken vor, zunächst dem ersten Satz aus Mozarts Es-Dur-Konzert KV 271, den sie energisch mit gelungener Mischung von juvenilem Nachdruck und feiner Liniengestaltung präsentierte. Im Klavier-Duo mit Maximilian Haberstock griff sie dann noch emphatischer in die Tasten, um der Leidenschaft von Johannes Brahms gerecht werden zu können. Ihr Münchner Kollege wiederum wandte sich zunächst dem ersten Satz von Joseph Haydns D-Dur-Konzert Hob XVIII/11 zu, führte sich aber als Dirigent einer Orchestermelancholie von Eduard Nápravník beinahe noch wohler. Mit viel gemeinsamem Spaß und eleganter Linienführung schließlich widmeten sich die Geiger Simon Zhu und Tassilo Probst dem d-moll Konzert BWV 1043 für zwei Violinen von Bach und verhalfen dem barocken Meisterstück zu frischer Aktualität. Vier junge Künstler mit Aussicht, ein guter Schnitt für ein Heimspiel.

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