Hauptsache Präsenz

Olga Peretyatko würde den Laden auch alleine schmeißen. Denn die Sopranistin aus St. Petersburg hat ein Talent dafür, einen Raum mit ihrer Persönlichkeit zu füllen und dem Publikum das Gefühl zu geben, bei einem quasi privaten Moment der großen Kunst dabei zu sein. Sie schlüpft in Rollen von der Lucia bis zur Mimi und verkörpert dabei doch so eindeutig einen Charakter hinter der Stimme, dass man ihr stundenlang beim Entwickeln der Musik zuhören könnte. Wenn ihr allerdings jemand wie der junge Bass José Coca Loza zur Seite steht, der seinerseits viel Spaß am Experimentieren mit den Möglichkeiten der Bühne hat, dann kommt noch eine Prise mehr Temperament ins Spiel, so dass man Opernszenen imaginiert, ohne Requisiten und mehr als den vergleichsweise kleinen Raum neben dem Flügel im Saal des Literaturhauses zu brauchen.

Er war daher ein Vergnügen, der zweite Abend des Festivals unter dem Motto »Virtuose Opernarien«. Neben Loza konnten sich außerdem Peretyatko und der Tenor Myungin Lee bezirzen, als Julia und Romeo auf Gounods gleichnamiger Oper zum Beispiel. Semion Skigin gab einen souveränen Begleiter am Klavier und das Programm führte vom Belcanto bis hinein in die finstere Welt des »Freischütz«. Die Feuerwerke aber waren die Duette des Star-Soprans mit dem schelmischen Newcomer-Bass, der inzwischen auch schon in Salzburg zu hören war. Da wurde das Literaturhaus für ein paar Momente zu einem Nukleus der Opernwelt, in dem sich die Menschen im Saal treiben lassen konnte.

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