Grandesse, Jeunesse

Er ist der, der Schubert tiefe Verletzlichkeit entlockte. Der Mozarts Ernst mit schelmenhaftem Intellekt herausarbeitete und Beethovens Humor neben dessen Hang zum Gravitätischen stellte. Alfred Brendel ist einer der großen Visionäre eines modernen Klavierverständnisses auf reflektierter Traditionsbasis, ein Souverän der Klangkunst, der auch weiß, wann es sinnvoll ist, das Zepter an die nächsten Generationen weiterzugeben. Denn inzwischen spielt er nicht mehr, aber fördert gerne und so sitzt er zum Auftakt des Stars And Rising Stars Festivals 2019 zusammen mit Filippo Gorini auf der Bühne des Künstlerhauses am Lenbachplatz und schlendert als feuilletonistischer Wegweiser durch die Gefilde der klassischen Musikgeschichten.

Brendel liest aus seinem Brevier »A bis Z eines Pianisten«, sinniert über Bach und Beethoven, über die Bedeutung des Pedals als Freund des Künstlers, über Dramaturgie und die Notwendigkeit eines gelungenen Finales. Zwischendurch übergibt er an seinen italienischen Kollegen, der von Bach bis Chopin, Beethoven bis Brahms und Schönberg bis Stravinsky die passenden klingenden Erläuterungen zu den Reflexionen des Meisters bietet. Und so passiert schon als Start des Festivals, was eigentlich dessen Ziel ist: Die Begeisterung für Musik, Ästhetik, Feingeist wird im Austausch von Erfahrungen der Stars und der Energie der jungen Menschen entwickelt. Am Ende des Konzerts jedenfalls nehmen sich die Künstler an der Hand, verbeugen sich und haben beide dieses Leuchten in den Augen, das sich an besonderen Abenden einstellt.

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