Der nächste Schritt

Festivals wirken gerne so, als seien sie in Stein gemeißelt, Monumente des Veranstaltungswesens, die, einmal der Intuition entsprungen, nur noch aus dem Marmor geklopft werden müssen. Der Alltag hingegen sieht anders aus. Denn jedes Festival ist das Resultat umfassender Recherche, zahlloser Telefonate, schier endlosen Mail-Verkehrs, bis aus den Ideen ein Programm wird, das in einen Flyer gedruckt werden kann. Kari Kahl-Wolfsjäger könnte ein Lied davon singen, denn drei Jahrzehnte lang kuratierte sie unter anderem den international renommierten Kissinger Sommer und gehört zu den erfahrensten Netzwerkerinnen der deutschen Klassikwelt. Manchmal gibt sie auch Interviews und kommt ins Schwelgen etwa über die Möglichkeiten und Kompetenzen junger Musiker und Musikerinnen. Vor allem aber geht sie über das Jahr hinweg auf die Pirsch, hört sich Talente an und lernt ungewöhnliche Orte kennen, die sich womöglich für Konzerte eignen.

So kommt es, dass das Festival Stars And Rising Stars, das von 23.Mai bis 1.Juni in diesem Jahr zum dritten Mal in München stattfindet, auch diesmal mehr als nur herausragende Künstler zu bieten hat. Denn er gehört zum Konzept, die angestammten Säle zu verlassen, um auch anderes und vor allem junges Publikum zu erreichen. Gespielt wir beispielsweise in der Freiheizhalle oder der Alten Rotation des Pressehauses in der Bayerstraße, in der Aula des Wilhelmsgymnasiums und sogar im Odeon, dem im vergangenen Jahr erstmals wieder öffentlich für Konzerte zugängig gemachten Rundbau im Inneren des Bayerischen Innenministeriums. Zum Programm, das wie schon in den beiden Vorjahren etablierte Stars des Geschäfts mit aufsteigenden Newcomern kombiniert, gehören Simone Kermes, Arabella Steinbacher, Alfred Brendel und Klaus Maria Brandauer genauso wie Clara Shen, Iduuna Münch, Maximilian Lando, Tassilo Probst oder auch Maximilian Haberstock (Foto). Insgesamt 25 Rising Stars sind mit von der Partie, ein fulminantes Programm, auf das Kari Kahl-Wolfsjäger stolz sein kann. Mit dem wissenden Lächeln, wie viel Energie und Herzblut so ein Festival benötigt.

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