Tag 10: Wagners Beethoven

Für die Romantik war klar: Der Held heißt Beethoven. Denn in ihm vereint sich die Idee des genialisch aus sich selbst herausschaffenden Originalgenies, das das Kunstwerk bereits in seinem Kopf – im Fall des alten Komponisten, ohne es überhaupt noch hören zu können –  wachsen lassen kann, mit ein wenig Tragik, schrulliger Originalität und rätselhaftem Weltverstehen. Richard Wagner jedenfalls war begeistert. Beethoven war für ihn die ideale Folie für seine eigenen Vorstellungen der romantischen Musikwelt, die er als literarisch begabter Komponist 1840 in eine autobiographisch getönte, aber fiktionale Erzählung packte, die seinen Zeitgenossen beeindruckte. „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven“ wurde ein Art Manifest im Plauderton, das kräftig zur Mythenbildung rund um den großen Klassiker beitrug.

Für Klaus Maria Brandauer wiederum ist es eine herrlich verschrobene Vorlage, um seine Kunst als Rezitator mit schauspielerischen Einsprengseln auszubreiten – ein Vergnügen, ihm beim Entwickeln der Charaktere zuzuhören, wie er den blasierten Engländer als Gegenspieler Wagners herausarbeitet oder auch den alten Beethoven selbst mit Aura umgibt. Der Pianist Filippo Gorini fügt dieser Lesung im Münchner Literaturhaus eine weitere Dimension hinzu, als Intarsien des Textes, den er mit ‚Bagatellen‘ am Steinway ergänzt, vor allem aber durch eine subtil vielschichtige Interpretation der letzten Sonate op.111, die er im Anschluss an die ‚Pilgerreise‘ präsentiert. Nicht umsonst gilt der junge Mailänder bereits zu den führenden Beethoven-Interpreten seiner Generation. Im Gespann mit Klaus Maria Brandauer war seine spielerische Opulenz ein Gedicht.

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