Währenddessen ging draußen kurz die Welt unter. Ein Gewitter entlud sich über München, im Schwere Reiter bekam man davon allerdings wenig mit. Denn der sonst für experimentelle Musik, Tanz und freies Theater genutzte Saal gehört zu den noch frischen Errungenschaften der Münchner Bühnenwelt und ist so professionell konzipiert, dass Außengeräusche dem künstlerischen Geschehen akustisch wenig anhaben können. Er ist, neben der Allerheiligenhofkirche der Residenz, einer der neuen Räume, die das Festival Stars and Rising Stars in diesem Jahr für seine klassische Musik entdeckt.
Und er macht sich gut, denn die Künstler und Künstlerinnen der Operngala können in einer schon beinahe intimen Atmosphäre ihre Hörjuwelen präsentieren. Dazu gehörten zahlreiche Klassiker von Bach und Mozart bis Bizet, die der etablierte Star des Abends, der Tenor Daniel Behle, zusammen mit dem erfahrenen Klavierbegleiter Semion Skigin und den beiden Nachwuchskräften vorstelle. Wobei Nachwuchs in diesem Fall untertrieben ist. Die russische Mezzosopranistin Victoria Karkacheva hat längst schon an großen Bühnen wie etwa mit der Opernakademie der Münchner Staatsoper gearbeitet und der Geiger Tassilo Probst ist inzwischen mit eigenen CD-Aufnahmen und internationalen Konzerten unterwegs.
Im Ambiente des Schwere Reiters jedenfalls bewährte sich das Team souverän mit einer Mischung aus gestalterischer Perfektion und interpretatorischer Gelassenheit. Daniel Behle war mit spätbarocker Koloratur ebenso zu bewundern wie mit ernst versunkenem Richard Strauss. Viktoria Karkacheva gab die selbstbewusste Carmen, aber auch klaren, spirituellen Bach. Tassilo Probst brillierte unter anderem mit Hubays wild virtuoser „Carmen“-Fantasie so unbeschwert, als wäre es nicht eines der haarsträubend komplizierten Konzertstücke der Geigenliteratur. Am Ende dann Begeisterung. Draußen war das Wetter weitergezogen. Und Stars and Rising Stars hatte seine Freunde mit viel Eleganz beschirmt.

